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Rund um die Biene

Biene in lila Krokus
Foto: Dr. Fried

Die Honigbiene kennen wir alle, doch die wenigsten von uns (er)kennen Wildbienen. Genauso wie die Honigbiene sind Wildbienen wichtig für die Bestäubung der Pflanzen. Was sie ausmacht, wie man sie unterscheidet und wie wir Bienen unterstützen können, davon erfahren Sie hier mehr.

Honigbienen, Wildbienen und mehr

Wer an die Biene denkt, hat häufig die Honigbiene vor Augen, die in großen Völkern lebt und den Honig produziert, den wir Menschen seit Jahrtausenden lieben. Die wenigsten von uns haben jemals von Wildbienen gehört. Während es von der Honigbiene weltweit neun Arten gibt, geht man von mehr als 30.000 Wildbienenarten aus, davon allein 560 Wildbienenarten in Deutschland.

Beide Formen, die Honigbiene und die Wildbiene, spielen eine wichtige Rolle bei der Bestäubung von Pflanzen. Viele Wildpflanzen können dabei nur von einer bestimmten Wildbienenart bestäubt werden. Stirbt diese Wildbienenart in einer Region aus, so verschwindet über kurz oder lang ebenfalls die dazugehörige Wildpflanze. Auch für die Bestäubung von Nutzpflanzen sind Wildbienen immens wichtig.

Wir stellen hier die Honigbiene und ein wenig von der Vielzahl der Wildbienen vor, zeigen auf, was sie ausmacht und wie man Bienen unterstützen kann. Beide Formen sind von vielfältigen Umwelteinflüssen bedroht, wobei es bei den Wildbienen besonders dramatisch aussieht: Von den rund 560 Wildbienenarten in Deutschland stehen 48 % auf der Roten Liste, das heißt sie sind gefährdet oder vom Aussterben bedroht.

Die Honigbiene - ein Leben im Superorganismus namens Bien

In Europa kommt die Westliche Honigbiene (Apis mellifera) vor, von der es 25 Unterarten gibt. Im kühleren Teil von Europa und damit auch in Deutschland ist die Dunkle Europäische Biene am stärksten verbreitet. Die Honigbiene lebt in einem Volk, das aus bis zu 50.000 Bienen besteht. Jede Biene hat dabei eine bestimmte Aufgabe und ist Teil von einem Superorganismus, den man Bien nennt.

Ein Bienenvolk besteht aus Arbeitsbienen, der Königin und Drohnen. Einzig die Bienenkönigin kann Nachkommen bekommen. Fast jeden Tag legt sie bis zu 2.000 befruchtete und unbefruchtete Eier. Da die Königin bis zu 5 Jahre alt werden kann, können das bis zu 3,5 Mio. Eier in einem Königinleben sein.

Aus den unbefruchteten Eiern schlüpfen die männlichen Drohnen, deren einzige Aufgabe es ist, die nächste Königin zu befruchten. Der größte Teil des Bienevolkes besteht jedoch aus Arbeitsbienen.

Das Leben einer Arbeitsbiene

Eine Arbeitsbiene wird etwa 35 Tage alt. Die Tage ihres Bienenlebens sind dabei klar strukturiert: Von Tag 1 bis 12 pflegt sie die Brut. Von Tag 13 bis 18 hilft sie bei Bau- und Renovierungsarbeiten, wobei sie ab Tag 16 erste Flugübungen macht. Von Tag 17 bis 21 ist sie eine Wächterbiene und beschützt den Bienenstaat. Erst ab Tag 22 bis etwa Tag 35 fliegt sie aus und sammelt Nektar, Honigtau, Pollen, Wasser sowie Baumharz für Reparaturarbeiten.

Wenn wir eine Biene auf eine Blüte sehen, so ist sie also mindestens 22 Tage alt.

Wissenswertes zum Honig

Grundsätzlich gibt es zwei Sorten von Honig: a) Blütenhonig, welcher aus dem Blütennektar von Pflanzen gewonnen und b) Honigtauhonig, der aus dem Honigtau gewonnen wird, den Blatt- und Schildläuse ausscheiden. Die Bienen sammeln diesen von den Blättern und Zweigen der Bäume auf. Beide Honigarten sind sehr lecker.

In Deutschland gibt es strenge Regeln für Honig, die vom Deutschen Imkerbund e. V. kontrolliert werden. So dürfen keine honigfremden Stoffe zugesetzt und auch keine honigeigenen Stoffe entzogen werden. Erst dann erhält der Honig das Gütezeichen „Echter Deutscher Honig“.

Gefahren für die Honigbiene

Für das Sterben der Honigbiene ist u. a. die moderne Intensivlandwirtschaft verantwortlich. Das Ausbringen von Pestiziden wie Glyphosat oder Insektizide schwächt und tötet Bienen. Besonders toxisch sind dabei Insektizide von der Familie der Neonicotinoide: Mit dem oftmals verwendete Wirkstoff Clothianidin sind sie 10.800-mal giftiger für Bienen als DDT.

Auch die immer größeren Felder mit Monokultur führen dazu, dass die Honigbienen nicht mehr genug vielseitige Nahrung finden. Nur kurze Zeit blüht es, dann finden die Bienen weit und breit keine Nahrung mehr und verhungern.

Geschwächte und hungrige Bienen haben weniger Kraft, Parasiten wie den Kleinen Beutenkäfer, den Bienenwolf und die Bienenlaus abzuwehren. Doch der aktuell größte Feind der Biene ist die aus Asien eingeschleppte Varroamilbe. Wird dieser Parasit nicht richtig bekämpft, kann dies das Ende für ein ganzes Bienenvolk bedeuten.

Zuletzt ist es auch der Klimawandel, der unseren Bienen zu schaffen macht, weil er ihren natürlichen Lebenszyklus ins Wanken bringt.

Wie kann ich der Honigbiene helfen?

Sie können der Honigbiene auf einfache und sehr effektive Art helfen:

  • Pflanzen Sie bienenfreundliche Blumen im Garten oder auf dem Balkon.
  • Wer keinen Garten oder Balkon besitzt, kann bei einem Urban Gardening-Projekte aktiv werden.
  • Kaufen Sie Honig mit dem Siegel vom Deutschen Imkerverein. Ideal ist natürlich der Honig vom örtlichen Imkerverein.
  • Kaufen Sie Bioprodukte und unterstützen Sie so eine nachhaltige Landwirtschaft.
  • Stellen Sie Fragen bei Ihren politische Vertretern und Vertreterinnen nach deren Konzepten für eine Landwirtschaft, welche die Artenvielfalt erhält.

Die große unbekannte Welt der Wildbienen

Fast jeder von uns hat schon einmal eine Wildbiene gesehen. Viele ähneln der Honigbiene, sehen aber doch irgendwie etwas anders aus. Auch die verschiedenen Hummelarten gehören zu den Wildbienen. Manche haben klangvolle Namen wie Sandbiene, Gartenwollbiene, Seidenbiene, Gemeine Löcherbiene und viele, viele mehr. Die kleinste Wildbiene Deutschlands ist die nur 4 Millimeter große Sand-Steppenbiene. Die größte Wildbiene ist mit 3 cm die Blaue Holzbiene.

Etwa 95 % der Wildbienen leben als Einzelgänger, nur ein kleiner Teil von ihnen lebt in kleinen Völkern. Zunehmend wird die Bedeutung von Wildbienen erkannt, denn:

  • Wildbienen bestäuben Zweidrittel aller Pflanzen
  • Eine Hummel besucht bis zu 5.000 Blüten an einem Tag
  • 600 Mauerbienen bestäuben einen Hektar mit Obstbäumen*

*Quelle: Schweizerische Bienen-Zeitung, 123 (2000), Heft 10, S. 593-595

Gefahren für die Wildbienen

Wildbienen sind besonders bedroht: 48 % der 560 Wildbienenarten in Deutschland stehen auf der Roten Liste. Derzeit sind 5,5 % der heimischen Wildbienenarten vom Aussterben bedroht, 35,2 % sind gefährdet und 7,5 % stehen kurz davor.

Ähnlich wie bei den Honigbienen sind auch für Wildbienen die großen monotonen Äcker die meiste Zeit der Jahres leblose Wüsten. Hinzu kommen die vielen Gifte in der modernen Landwirtschaft. Diese Gifte töten die Wildbienen nicht nur direkt, sondern sie sammeln sich oft auch im Boden an. Da mehr als die Hälfte aller Wildbienen im Boden nistet oder überwintert, sind sie dort Pestiziden häufig noch einmal zusätzlich ausgesetzt. Die Wildbienen werden krank, die Eier oder Larven werden unfruchtbar oder verkrüppeln und langfristig sterben viele Wildbienen an einem Giftcocktail, dem sie nicht ausweichen können.

Lebensraum geht verloren

Die Ansprüche von Wildbienen an ihren Lebensraum sind nicht besonders kompliziert: Naturnah sollte es sein, mit vielen Ecken und Nischen, sonnigen Plätzen und Schatten sowie einer Vielzahl an Wildblumen, die das ganz Jahr über blühen. Eigentlich nicht schwer und noch vor wenigen Jahrzehnten fanden sich solche Orte überall in der Landwirtschaft.

Doch je mehr die Natur mechanisiert und am Markt orientiert ausgerichtet wird, je öfter Hecken verloren gehen, je weniger Kühe auf den Weiden stehen, je mehr die Landschaft einem sauberen, geraden und eintönigen Lebensraum gleicht, umso weniger Platz für Wildbienen ist da.

Wie kann ich Wildbienen unterstützen?

Sie können den Wildbienen auf einfache und sehr effektive Art helfen:

  • Pflanzen Sie Blumen im Garten oder auf dem Balkon, die für Wildbienen geeignet sind (s. Liste)
  • Lassen Sie Gras und trockene Stengel über den Winter stehen. Sie werden sich wundern, wie viele Wildbienen in den schmalen Röhren überwintern.
  • Lassen Sie in einer Ecke von ihrem Garten das Gras verfilzen und das über mehrere Jahre. Gerade Hummelarten, aber auch viele andere Wildbienen lieben es, ihre Nester in verfilztes Gras zu bauen. Gras verfilzen lassen ist ähnlich wie bei Haaren, einfach nicht kämmen, bzw. einfach nicht mähen – nur aufwachsende Büsche oder Bäume entfernen.
  • Legen Sie ein altes, naturnahes Holzstück, vielleicht einen alten Baumstumpf, an eine windgeschützte und sonnige Ecke in Ihrem Garten oder bauen Sie einen kleinen Holzhaufen aus altem Holz – viele Bienen können mit den Bienenhotels aus dem Baumarkt nichts anfangen, weil die Löcher und Röhren zu groß sind. Wenn Sie nach einiger Zeit kleine Löcher im Stamm finden, sind diese meist von Wildbienen gebohrt.
  • Und – ganz wichtig: Sand und offener Boden. Mehr als die Hälfte der Wildbienen nistet, überwintert oder wohnt im Boden. Offene Sandstellen, am besten sonnenbeschienen und warm, sind für viele Wildbienen ideal.
  • Wer bauen möchte, kann auch eine Sandwand oder (Löß)-Lehmwand bauen, 30-40 cm Höhe reichen oft. Am besten bauen Sie eine Wand, die leicht überhängt, so das bei starken Regen das Wasser nicht in die Wildbienenwohnung gelangt.
  • Und natürlich - kaufen Sie Bioprodukte und unterstützen Sie so eine nachhaltige Landwirtschaft.
  • Und immer wieder - stellen Sie Fragen bei Ihren politischen Vertretern und Vertreterinnen nach deren Konzepten für eine Landwirtschaft, welche die Artenvielfalt erhält.

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Quellen:

https://schleswig-holstein.nabu.de/tiere-und-pflanzen/insekten/wespen/19172.html

https://www.wdrmaus.de/extras/mausthemen/bienen/index.php5

https://www.fr.de/wissen/bienensterben-kann-tun-bienen-helfen-12045873.html

https://www.fr.de/wissen/bienen-garten-frueh-jahr-nahrung-bieten-11741972.html

http://www.bee-careful.com/de/bienenleben/der-bienenstaat/

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